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Ergebnis der „Stunde der Wintervögel 2022“

Bei der bundesweiten Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ vom NABU und seinem bayerischen Partner LBV haben sich erfreulich viele Vogelfreundinnen und -freunde aus Nordrhein-Westfalen eine Stunde Zeit genommen und die Vögel in Gärten, Parks und auf dem Balkon gezählt. Das Ergebnis: Trotz wechselhaftem Winterwetter haben rund 32.000 Menschen aus NRW aus 22.500 Gärten 760.000 Vögel gemeldet. Deutschlandweit haben über 173.000 Menschen teilgenommen und von mehr als 118.000 Beobachtungspunkten über 4,2 Millionen Vögel gemeldet.

Amsel im Beerenstrauch (Foto: NABU Presse)

Spitzenreiter ist und bleibt bundes- wie landesweit der Haussperling vor Kohlmeise, Blaumeise und Amsel. In NRW folgen Elster und Ringeltaube. Der Publikumsliebling Rotkehlchen liegt auf Platz neun und ist in NRW in vier von fünf Gärten anzutreffen. „Im Bundesdurchschnitt wurden etwa 36 Vögel und neun verschiedene Arten pro Garten gemeldet, in Nordrhein-Westfalen waren es nur 33,9 Vögel. „Im Vergleich mit den bundesweiten Zahlen fällt Nordrhein-Westfalen immer etwas ab. Hier schlagen die dicht besiedelten Regionen des eher vogelärmeren Ruhrgebietes sowie des Großstadtraumes Düsseldorf-Köln-Bonn negativ zu Buche“, sagt Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW.

Schaue man sich die Trends der letzten Jahre an, gehe aber zudem bei sehr vielen Arten die Bestandskurve kontinuierlich nach unten. „Die Vogelzahlen nehmen, passend zum Vogelschwund in vielen anderen Lebensräumen, auch in den Gärten seit Jahren ab“, so Chwallek weiter. Auch in unseren Gärten würden häufig geeignete Strukturen und damit Nahrung und Nistplätze fehlen. Mit vogelfreundlichen Hecken und Gebüschen, wilden Ecken und Nisthilfen könne man Vögel im Garten aber gut unterstützen.

In einem typischen nordrhein-westfälischen Garten sind heute Kohl- und Blaumeise sowie Amsel Dauergäste. In zwei von drei Gärten leben zudem Elstern. Haussperling, Ringeltaube, Buchfink und Buntspecht fliegen durch jeden zweiten Garten, in jedem dritten suchen auch Eichelhäher und Kleiber nach Futter. Andere typische Gartenvögel wie Zaunkönig, Gimpel und Stieglitz sind in weitaus weniger Gärten anzutreffen.

„Typische Futterplatzbesucher, wie Kohlmeisen und Blaumeisen, Kleiber, Gimpel und Kernbeißer lassen sich in diesem Winter gut beobachten. Das hat aber unterschiedliche Gründe “, erklärt Jonas Brüggeshemke vom NABU-Landesfachausschuss Ornithologie. „Während Meisen und Gimpel durch den im Winter üblichen Zuzug aus dem Norden zahlreich bei uns vertreten sind, machen sich bei Kleiber und Kernbeißer sowie weiteren typischen Waldarten wie Eichelhäher und Buntspecht möglicherweise die fehlenden Sämereien im Wald bemerkbar. Hier drängt die schlechte Futterlage diese Arten vermehrt in die Gärten.“

Der massive Einbruch beim Wintergoldhähnchen, der als Standvogel das ganze Jahr über in Fichtenforsten lebt, könnte auf die großen trockenheits- und borkenkäferbedingten Verluste an Fichten zurückzuführen sein. Brüggeshemke: „Der Verlust von 113.000 ha Fichtenforst in NRW scheint dem kleinsten Singvogel Deutschlands hier gerade massiv zuzusetzen.“ Zusätzlich könnte sich bei der Art auch der heftige Kälteeinbruch im Februar 2021 bemerkbar machen. Viele der kleinen Wintergoldhähnchen dürften die Kältewelle nicht überlebt haben. Gleiches gilt für den Zaunkönig, der ebenfalls in geringerer Anzahl festgestellt wurde als in den Vorjahren.

Überschaubar war der Zuzug weiterer Wintergäste aus dem hohen Norden, deren Bestände erfahrungsgemäß von Jahr zu Jahr stark schwanken. Bergfinken fanden sich zwar mehr als im Vorjahr ein, dies beschränkte sich aber auf den ostwestfälischen Raum sowie einige waldreichere Regionen wie den Rhein-Sieg-Kreis, den Hochsauerlandkreis, den Märkischen Kreis und Euskirchen. Auch bei Schwanzmeisen, Wacholder- und Rotdrosseln sowie Seidenschwanz und Erlenzeisig blieb der große Einflug aus.