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Die Mauerseglersaison 2026 – eine Katastrophe!

In diesem Jahr entwickelte sich aufgrund der z.T. extremen Witterungsbedingungen die Saison für unsere Mauersegler zu einer einzigen Katastrophe. Vereinsmitglied Christa Becker, die eine Pflegestation für Mauersegler in Bochum-Querenburg anbietet, übermittelte uns einen erschütternden Bericht.

Mauerseglerzögling (Foto: Christa Becker/NABU Bochum)

Die Segler fliegen zu uns, zu ihren Brutstätten, bis auf ganz wenige Rasttage N O N –  S T O P, das sind etwa 9500 km. 600 – 700 km am Tag, das ist ihre tägliche Kilometerleistung im Durchschnitt. Sie kommen aus ihren Winterquartieren in  Südafrika, südlich der Sahara.

Mitte April 2026 wurden hier bei uns im Ruhrgebiet die ersten Mauersegler gesichtet. Die letzte Aprilwoche war sonnig und warm. Den Mai 2026 prägten kräftige Schauer und Gewitter, die Tagestemperaturen sanken auf 12 bis 14 Grad, nachts war es noch kühler. Die Eisheiligen vom 11. bis zum 13. Mai brachten in höheren Lagen sogar Schnee. Keine Fluginsekten für die erschöpften Altsegler! Die letzte Maiwoche wurde dann sonnig und brachte Temperaturen von bis zu 32 Grad, trotzdem gab es dann nicht sofort genug Fluginsekten. Viel zu viele Larven/Puppen wurden durch den Starkregen der vergangenen Maiwochen weggespült oder verfaulten bei der Dauernässe.

E r s t m a l i g – solange ich Mauersegler pflege – nahm ich deshalb in dieser Zeit 33 Altsegler auf, bevor die eigentliche  Brutsaison begonnen hatte. Die Segler waren erschöpft und stark untergewichtig, viele hatten ein Anflugtrauma, waren also müde gegen eine Glasscheibe geflogen oder  fielen einfach ausgemergelt vom Himmel, oft in die Pfoten von Katzen, sodass sie intensiv antibiotisch versorgt werden mussten.

Der Juni 2026 machte zunächst mit seiner typischen Schafskälte vom 4. bis zum 20. Juni diesem Namen alle Ehre: immer wieder Regen und Temperaturen zwischen 16 und 18 Grad. Mühsam wurde die inzwischen geschlüpfte Brut ernährt.

Dann nahte die erste grosse Hitzewelle. 11 Tage lang , vom 20. Juni an, gab es Hitzewarnungen vom Deutschen Wetterdienst. Das Thermometer kletterte bis auf 40,5 Grad ! Der 26. Juni war der heisseste Tag. Innerhalb von 3 Stunden nahm ich an diesem Tag 21 kleine Segler auf. Überall sprangen die Mauerseglerküken aus ihren Nestern, um nicht in der brütenden Hitze unter dem Dach zu sterben. Viele landeten auf heissem Asphalt und starben einen elenden Tod, viele gelangten aber auch zum Glück  in die Mauerseglerpflegestationen.

Der Juli 2026 brachte eine zweite Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 39 Grad. Im Juni und im Juli  nahm ich insgesamt 48 kleine Mauerseglerküken auf, die den Sprung aus dem Nest gewagt und überlebt hatten.

3 Monate Kälte, Regen, Hitze bedeuten extremen Nahrungsmangel für die Segler !!!!

Dann kam es im August 2026 bei eigentlich durchweg schönem Sommerwetter zur dritten und letzten sichtbaren Katastrophe für die Segler und alle Mauerseglerpflegestationen: Unerfahrene und junge Mauerseglerpaare hatten sich  spät zu  einer Brut entschlossen.  Als ihre Küken etwa 3 Wochen alt waren, siegte der angeborene Zug- über den Brutpflegetrieb. Und so verließen die Mauerseglereltern  in der zweiten Augustwoche ihre Nester, ihren Nachwuchs,  um den Flug nach Südafrika anzutreten.

Nach etwa 7-9 Tagen des Wartens auf Eltern und Futter sprangen die zurückgelassenen Küken dann aus den Nestern, mit einem Hungergewicht zwischen 19 und 22 Gramm. In dieser Zeit nahm ich 14 dieser kleinen untergewichtigen Segler auf. Ihr Schicksal war keineswegs ungewiss, denn nach ein paar Wochen wurden sie nach Frankfurt in die Mauerseglerklinik gebracht. Von dort aus flogen  sie mit vielen anderen Spätgeschlüpften aus ganz Deutschland in den Süden – per Flugzeug!

Abschließend muss ich zu all´ diesen Katastrophen noch hinzufügen, dass die ständige k l i m a b e d i n g t e Mangelernährung des Mauerseglernachwuchses  durch viel zu wenige Fluginsekten und Luftplankton bei zahlreichen Mauerseglerküken zu schlimmen Gefiederschäden geführt hat. Auch wenn wir Pflegestationen mit hochwertigem Insektenfutter, Proteinen, Vitaminen und Mineralien versuchten, diesen Mangel auszugleichen – der Erfolg blieb aus, denn die ersten Fütterungen in den ersten Lebensstunden sind die wichtigsten! (Vergleichbar mit der Kolostralmilch bei den Säugern).

Aber auch hier konnte die Mauerseglerklinik in Frankfurt helfen, nahm die kleinen Segler auf und führt sie nun dort durch die naturbedingte Mauser, die mit einem schönen belastbaren Gefieder enden wird.

Die Mauerseglersaison 2026 zeigte wie keine zuvor die Auswirkungen unseres Klimawandels auf diese Vogelart. Ich alleine nahm 95 gefiederte Patienten auf, so viele wie nie zuvor. Wir Pflegenden aus dem Ruhrgebiet (Bochum, Oberhausen, Mülheim, Duisburg, Herne)  sind alle an unsere körperlichen und psychischen Grenzen gekommen, aber … wir würden es immer wieder tun!

Wir danken Christa Becker für diesen Beitrag und ihren unermüdlichen Einsatz zum Schutz der Mauerseglerpopulationen in unserem Umfeld.