Mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft warnen gemeinsam: Deutschland ist auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet. Sie fordern daher, Hitzeschutz verbindlich als Bestandteil des Katastrophenschutzes zu verankern.
Unter dem Motto Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze ruft ein breites Bündnis dazu auf, den gesundheitsbezogenen Hitzeschutz in Deutschland konsequent und flächendeckend umzusetzen. Ziel ist es, Hitze systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren.
Zu den Initiatoren zählen die Bundesärztekammer, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG), die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat, der GKV-Spitzenverband, die Klima-Allianz Deutschland sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Insgesamt haben sich über 150 Institutionen und Verbände angeschlossen.
Mit zunehmender globaler Erwärmung steigen Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzeperioden. Das konnte man zuletzt in der extremen Hitzewelle in Europa beobachten, u.a. in Frankreich – und das Ende Mai, bevor der Sommer offiziell begonnen hat. Solche stabilen Hochdrucklagen mit sehr hohen Temperaturen ohne nächtliche Abkühlung sind besonders gefährlich und können zu einer drastischen Zunahme hitzebedingter Todesfälle führen. Sie stellen ein hohes Risiko für vulnerable Gruppen dar und belasten zugleich Gesundheitswesen, Pflege, soziale Einrichtungen und kritische Infrastruktur.
Auch wirtschaftliche Schäden nehmen in solchen Phasen deutlich zu. Für Deutschland werden in aktuellen Szenarien hitzebedingte Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre erwartet. Um die Dimension zu verdeutlichen: Das entspricht fast dem Dreifachen der gesamten Schäden der historischen Ahrtal-Flutkatastrophe von 2021 (ca. 40,5 Milliarden Euro).
Wer Deutschland krisenresilient machen will, muss Hitze und andere Extremwetterlagen systematisch mitdenken. Zwar wurden in den vergangenen Jahren erste wichtige Schritte im Hitzeschutz unternommen. Doch für ausgeprägte, mehrtägige oder sich überlagernde Extremhitzelagen sind Politik, Verwaltung, Institutionen und Bevölkerung bislang nicht vorbereitet und die Tragweite der Ereignisse wird unterschätzt.
Gemeinsam fordert das Bündnis daher:
- Die verbindliche Integration von Extremhitze in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz
- Klare Zuständigkeiten auf allen Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen
- Effektive soziale Schutzstrukturen für Risikogruppen
- Eine gezielte Stärkung des Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesens für Hitzelagen
- Finanzierung von Maßnahmen, zum Schutz von Menschen, Arbeitsabläufen, Gebäuden, Stadtteilen und Infrastruktur vor extremer Hitze sowie zur Sicherung ihrer Funktionsfähigkeit bei Hitzewellen
Krisenresilienz bei Extremhitze ist keine ferne Zukunftsaufgabe. Sie ist eine unmittelbare öffentliche Verantwortung der Gegenwart.
Erst vor zwei Tagen meldete die Deutsche Umwelthilfe, dass seit 2018 fast eine Million Bäume aus unseren Städten verschwunden sind.
Weitere Informationen dazu:
hitzeakt
KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.: Pressemeldung vom 10. 06.2026 und Webseite hitzeaktionstag.de
Deutsche Umwelthilfe e.V.: Pressemitteilung vom 09.06.2026
Stadt Bochum: Hitzeaktionstag: Mit Förderprogramm KRiS für ein gutes Stadtklima




